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  • Anne Johne

Was sind seelische Schmerzen?

Schmerzmittel gegen Liebeskummer? Ich habe eine Presseerklärung des Herausgebers einer Studie übersetzt, die dieses und andere interessante Experimente eines kalifornischen Labors zur Biologie des seelischen Kummers beschreibt:

Wenn man sagt, dass etwas einem Menschen „das Herz bricht”, ist das mehr als ein bildlicher Ausdruck – sozialer Schmerz und körperlicher Schmerz haben viel gemeinsam, meint Naomi Eisenberger von der University of California-Los Angeles, die Autorin eines neuen Artikels in Current Directions in Psychological Science, einem Journal der Association for Psychological Science. In ihrem Artikel gibt sie einen Überblick über die neuste Forschung zu den Gemeinsamkeiten zwischen körperlichem und sozialem Schmerz.

Ablehnung ist solch eine mächtige Erfahrung für Menschen”, sagt Eisenberger. „Wenn Sie Menschen nach den ersten negativen Erfahrungen in ihrem Leben fragen, an die sie sich erinnern können, werden sie oft mit Ablehnung zu tun haben, zum Beispiel als Letzter für eine Mannschaft ausgewählt werden oder von irgendeiner sozialen Gruppe ausgeschlossen werden.“ Menschen reden von verletzten Gefühlen und gebrochenen Herzen, aber Eisenberger wurde klar, dass sie etwas auf der Spur sein könnte, als sie und ein Kollege bemerkten, wie ähnlich sich ihre Scans der Gehirnaktivität von Menschen sahen, die soziale Ablehnung erfahren hatten und anderen, die unter körperlichen Schmerzen litten. „Wir saßen nebeneinander und bemerkten, wie ähnlich sich die beiden Gehirnscans waren“, sagt sie. Diese Ähnlichkeit wurde durch die Forschung seither bestätigt. Körperliche und soziale Schmerzen werden zum Teil in den gleichen Regionen des Gehirns verarbeitet. Körperlicher Schmerz hat zwei Aspekte: die sensorische Erfahrung des Schmerzes und die emotionale Komponente, d.h. als wie schlimm oder quälend das Gehirn den Schmerz wahrnimmt. Es ist der zweitere Aspekt, der beim sozialen Schmerz der gleiche ist, obwohl manche Untersuchungen gezeigt haben, dass schwerwiegende soziale Ablehnung (wie vom Partner verlassen werden) auch in dem Teil des Gehirns prozessiert werden kann, der für die sensorische Komponente des Schmerzes zuständig ist.

Menschen, die empfindlicher auf körperliche Schmerzen reagieren, sind auch empfindlicher für soziale Schmerzen. Sie fühlen sich stärker abgelehnt, wenn sie einen Test für soziale Ausgrenzung gemacht haben, eine Computerversion von Fangeball, bei der sich die beiden anderen Spieler weigern den Ball abzugeben. Eine Studie hat sogar festgestellt, dass sich Leute, nachdem sie drei Wochen lang das Schmerzmittel Tylenol (Paracetamol) eingenommen hatten, weniger verletzt fühlten als Leute, die ein Placebo bekommen hatten. Das überraschte sogar Eisenberger. „Rein logisch gesehen folgt das aus dem Argument, dass sich die Systeme für körperliche und soziale Schmerzen überschneiden, aber man kann es sich trotzdem irgendwie schwer vorstellen“, sagt sie. „Wir nehmen Tylenol gegen körperliche Schmerzen, es ist nicht dafür gedacht bei sozialen Schmerzen zu wirken.“

Eisenberger rät nicht dazu Schmerzmittel zu nehmen, damit man keine sozialen Schmerzen empfindet. Und außerdem könnte es sein Gutes haben, dass Menschen Ablehnung als schmerzhaft empfinden. „Ich glaube, wahrscheinlich gibt es diese Art von Schmerzen aus gutem Grund – damit Menschen zusammenhalten“, sagt sie. „Wenn wir das Gefühl sozialer Ablehnung immerzu betäuben, würden wir dann nicht öfter Dinge tun, für die uns Leute ablehnen, die uns von anderen entfremden?“ Es könnte aber auch Fälle geben, wo der soziale Schmerz einfach zu groß ist. Zukünftige Studien könnten untersuchen, ob man ihn manchmal behandeln sollte.

Damit bestätigt die Forschung die verletzten Gefühle von Menschen, die sozial abgelehnt wurden, sagt Eisenberger.

„Wir scheinen körperliche Schmerzen ernster zu nehmen als soziale Schmerzen“



Während Außenstehende Verständnis dafür haben, dass körperliche Schmerzen wehtun und Menschen sehr einschränken können, haben sie nicht immer das gleiche Verständnis für Menschen, die unter sozialen Schmerzen leiden. „Irgendwie gibt diese Forschung Leuten mit verletzten Gefühlen Recht. Sie zeigt, dass das Gefühl von Schmerzen, das wir haben, wenn wir abgelehnt und ausgeschlossen werden, etwas Reales hat.“


Quellen:

Association for Psychological Science, 21. Feb 2012

Eisenberger. Current Directions in Psychological Science, Feb 2012

http://www.praxis-dr-shaw.de/blog/wie-real-sind-seelische-schmerzen/



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